Geschichte

Firmensitz Murtenstrasse 65, Biel

Im Jahr 1953 beginnt die Notz-Kunststoff-Geschichte. Europa erholt sich langsam von den Kriegsschäden. Hans Notz, Inhaber in zweiter Generation der Notz & Co. an der Murtenstrasse in Biel, kehrt 1953 aus Amerika in seine Heimat zurück. In seinem Handgepäck hat Hans Notz ein Stück Rohr aus dem neuen, leichten Material
Polyethylen (PE). 

Wieder in der Firma, gibt er das Stück dem Betriebsleiter der Stahlumarbeitung mit den Worten: "Da schauen Sie mal, ob wir damit etwas anfangen können." Nach eingehenden Prüfungen im hauseigenen Labor begreifen die Firmenverantwortlichen schnell, welche Möglichkeiten sich mit dem neuen Kunststoff eröffnen. Sie wollen in der Schweiz die Ersten sein, die solche Rohre im Sortiment führen. Nach umfangreichen Verhandlungen mit dem Kunststoffhersteller Symalit AG in Killwangen übernimmt Notz die Generalvertretung für die SYMALIT-Produkte. Das SYMALEN-Rohr wird zum ersten Marken-Rohr aus Polyethylen. Notz schafft ein eigenes Profit-Center. Im November 1953 wird Charles Nicolet, Sohn des Geschäftsführers,Verantwortlicher der neu geschaffenen Kunststoff-Abteilung.

1954 beginnt Notz sich mit Platten aus Hart-PVC ein zweites Standbein aufzubauen, das eines Industrie-Zulieferers. Apparate und Maschinenbauer, Hersteller für Anlagen- und Verfahrenstechnik und die chemische Industrie gehören zum Kundenkreis. Rohre werden jetzt auch aus PVC hergestellt.

Ab 1960 liefert Notz der Industrie Rohre und Platten aus Polypropylen. Die Kunststoff-Abteilung wendet sich aber noch weiteren Aufgaben zu: der Hausentwässerung. Wiederum gelingt es der Firma, mit bedeutenden Herstellern in diesem Bereich, Verträge abzuschliessen. Es ist - bis heute - das erklärte Ziel der Notz & Co. AG, immer mit hochwertigen Produkten führender Erzeuger auf den Markt zu gelangen.

1966 wird in Brügg ein neues Zentrallager gebaut, in dem auch die sich ständig ausbreitende Kunststoff-Abteilung von Notz & Co. AG Platz findet. Die Lagerkapazität am alten Standort in Biel reicht längst nicht mehr aus. 

Notz hat sich inzwischen als zuverlässiger Lieferant von Kunststoff-Halbzeug -Rohren, Stäben, Profilen, Fittings und Armaturen, Platten und Schweissdrähten etabliert und hat den Ruf eines kompetenten Partners, wenn es um Kunststoffe geht.

1966 ist die Einführung der Kanalrohre aus PVC im Bereich Baukunststoffe und von MAKROLON, ein Kunststoffglas (Polycarbonat-Flächenprodukt) von Bayer.

1970 wird durch die Zusammenarbeit mit der Röhm GmbH, Darmstadt, ein weiterer entscheidender Schritt in diese Richtung getan. Mit dem Verkauf des Markenprodukts PLEXIGLAS (Polymethylmetacrylat) wird Notz auch ein führender Anbieter von Verglasungsmaterial. Das Bauwesen boomt noch immer. Die Wirtschaft floriert nach wie vor.

1971 finden auch die bisher in Biel domizilierten Büros Platz in einem Neubau in Brügg.

Die überhitzte Konjunktur bewegt den Bundesrat 1973 zur Veröffentlichung der Botschaft zum neuen Konjunkturartikel "Stopp der Inflation". Das hat zur Folge, dass die Bautätigkeit abrupt zurückgeht. Nach dem Jom-Kippur-Krieg leiten die Erdöl fördernden Staaten ein Embargo gegen alle Länder ein, die Israel unterstützen, was zu einer weltweiten Ölkrise führt. Brennstoffe werden knapp - es kommt zu autofreien Sonntagen - und der Kunststoffindustrie mangelt es am wichtigsten Rohstoff. Die Preise für Kunststoff-Produkte schnellen in die Höhe, ja verdoppeln sich sogar. Das bekommt natürlich auch Notz zu spüren. Die Konjunktur kühlt rasant ab und bricht schliesslich völlig ein. Ein Wort ist plötzlich in aller Munde: Rezession. Die Erdölkrise macht aber auch bewusst, wie sehr die Industrienationen von diesem Produkt abhängig sind und dass es nicht beliebig verfügbar ist. Irgendwann werden auch die Vorräte erschöpft sein. Macht es Sinn, Erdöl in Motoren und Heizungen zu verbrennen? Sollte dieser Rohstoff nicht sinnvoller genutzt werden? Keine Verschwendung von Heizenergie durch bessere Isolation von Gebäuden und Anlagen heisst die dadurch realisierbare Devise. Daraus entwickelt sich allmählich ein neuer Markt für Notz: Die thermisch gut isolierenden Stegplatten aus Plexiglas oder MAKROLON helfen in Gewächshäusern und Industriebauten Erdöl zu sparen.

1978 nimmt Notz die Produkte für den Bau aus dem Sortiment. Beibehalten werden die Baugläser, für die es neue Einsatzgebiete gibt. Zum Beispiel Lärmschutzwände für Autobahnen. Wo Lärmschutz  trotzdem Lichtdurchlässigkeit und Durchsichtigkeit erfordert, sind die Kunststoffgläser ein geradezu ideales Einsatzgebiet. 

Aber auch andere Schutzwände werden mit Kunststoffgläsern erstellt. In Eishockey-Stadien schützen Plexiglaswände die Zuschauer vor Pucks, welche früher im Auffangnetz oder aber am Kopf eines Zuschauers landeten. Notz bietet ein komplettes System an, das Banden, Schutzgläser und das gesamte Montagematerial beinhaltet.

Die Konzentration auf Markenprodukte für die Industrie wird ergänzt mit PVC-Hartschaumplatten der Firma Airex AG, die den Zugang zu den Bereichen Werbung und Gestaltung öffnen. Die leichten, wetterfesten Platten lassen sich bedrucken, mit Folien bekleben, biegen, formen, schneiden, sägen und werden dank ihrer Vielseitigkeit, zu der auch verschiedene Plattenstärken und einige Standardfarben gehören, zum omnipräsenten Produkt in der Welt der Gestaltung. Architekten, Messebauer, Dekorations- und Ausstellungsgestalter, Künstler, Modellbauer und viele andere mehr entdecken immer wieder neue Möglichkeiten für die geschäumten FOREX-Platten.

1990 verkauft Notz die nicht mehr zum Stahlgeschäft passenden Sparten Baumaschinen und Kunststoffe. Der Leiter der Kunststoffabteilung, Arthur Zimmermann, findet mit Dr. Axel Röhm - ein Nachkomme des Plexiglas-Erfinders Otto Röhm - den idealen Käufer.
Als Notz Kunststoffe AG wird die Firma per 1. Oktober 1990 ins Handelsregister eingetragen.  

 

Am 1. Januar 1993 übernimmt die Notz Kunststoffe AG das Halbzeug- und Formmassengeschäft der Forbo CTU. Damit gelangt das Unternehmen zu einer ganzen Reihe Kunststoff-Spezialitäten von renommierten europäischen Herstellern, aber auch von Schweizer Firmen, so das "VOS" (Verre Organique Suisse = Hesaglas) als eigentliche Rosine im Kuchen. Dieses hochwertige, in einem Spezialverfahren gegossene Acrylglas wird seit Mitte der 1950er Jahre hergestellt und von 1960 bis 1980 ist es das Uhrenglas par excellence. Eine "Omega Speedmaster" - ausgerüstet mit einem Hesaglas - tickte am 21. Juli 1969 an Neil Armstrongs Handgelenk bei seinem Mondspaziergang. Die Notz Kunststoffe AG kann also zu Recht stolz sein auf diese Hightech-Akquisition.

Um international besser agieren zu können, wir der Firmenname 1994 von Notz Kunststoffe AG in Notz Plastics AG umgewandelt.

1995 kann Notz Plastics AG aus Fernost zwei interessante Vertretungen im Bereich der Formmassen übernehmen. Die Asiaten drängen auf den Weltmarkt. Ihre Kunststoffe haben inzwischen ein so hohes Qualitätsniveau erreicht, dass die Produkte auch für den anspruchsvollen Schweizer Markt interessant sind.

Das Hesaglas hält Einzug in die moderne Bild- und Kommunikationswelt als optischer Filter, als Abdeckung auf LED-Displays und als Displayabdeckung auf dem Mobiltelefon.

1998 verkauft Dr. Axel Röhm die Notz Plastics AG an die ThyssenKrupp-Gruppe, die - notabene - auch in der Stahlszene gross geworden ist und sich nun im immer noch wachsenden Kunststoffmarkt engagiert. Damit kann Notz Plastics AG ein riesiges Netzwerk nutzen, das vom technischen Know-how bis zu den vielfältigsten Lieferantenbeziehungen reicht.

Trotz der Zugehörigkeit zu einem Weltkonzern operiert die Notz Plastics AG aber weiterhin als eigenständiges Unternehmen in der Schweiz, denn nur so kann sie sich den spezifischen Bedürfnissen ihrer lokalen Kunden anpassen. Besonders wichtig sind heute ein breites Lagersortiment und eine hohe Lieferbereitschaft. ThyssenKrupp investiert in ein neues Logistikzentrum in "zentralschweizerischer" Lage in Beromünster. Die Notz Plastics AG ist somit für die Zukunft bestens gerüstet.

2003 feiert Notz Plastics AG 50 Jahre Kompetenz in Kunststoff. 
2004 zieht sie von Brügg weg an die Gottstattstrasse 20b in Biel, dem heutigen Firmensitz.